14. Internationales Still- und Laktationssymposium:

Führende Stillforscher sind sich einig: Wir brauchen mehr Muttermilch, für mehr Babys, für einen längeren Zeitraum

Dietersheim – 23. April 2019: Medela veranstaltete vom 4. bis 5. April 2019 in London sein 14. Internationales Still- und Laktationssymposium, bei dem neun weltweit führende Forscher auf dem Gebiet der Stillforschung die neuesten Erkenntnisse präsentierten. Auf dieser weltweit angesehenen Veranstaltung kamen über 400 Fachleute aus 40 Ländern zusammen, die an den Wert der Muttermilch glauben.

Das Publikum aus Fachleuten des Gesundheitswesens teilte vielfältige neue Erkenntnisse. Sie reichten von aktuellen Forschungsergebnissen zur Zusammenarbeit der verschiedenen Komponenten in der Muttermilch zum Schutz vor Infektionen und Allergien über die Entwicklung des Mikrobioms beim Säugling bis zum einzigartigen Wert der Muttermilch für die am stärksten gefährdeten Säuglinge auf der Neugeborenen-Intensivstation (NICU). Darüber hinaus stand die Umsetzung der Forschungsergebnisse in bewährte Verfahren im Mittelpunkt, um eine bessere Muttermilchversorgung der Kinder sicherzustellen und Mütter beim Erreichen ihrer Stillziele zu unterstützen.

„Wir wissen, dass konsequente Stillforschung die Gesundheit von Frauen und Säuglingen fördert. Deshalb setzen wir uns dafür ein, einige der klügsten Köpfe der Still- und Laktationsforschung zusammenzubringen“, so Dr. Leon Mitoulas, Leiter der medizinischen Forschung der Medela AG, zur Eröffnung des Symposiums. „Jede neue Erkenntnis hilft uns, mehr über die wichtigen Bestandteile der Muttermilch zu erfahren und darüber, wie wir Mütter unterstützen können, ihre Stillziele zu erreichen.“

Die Kernaussagen der neun Referenten:
– Kent: Stillen ist Vielfalt: Alles ist normal, so lange das Baby stetig wächst
– Geddes: Babys brauchen Fett für die Gehirnentwicklung
– Spatz: Mütter und Klinikpersonal müssen die Bedeutung der ersten Stunden verstehen
– Pokhrel: Niedrige Stillraten verursachen hohe Kosten im Gesundheitssystem
– Collado: Jede Stillmahlzeit enthält das mikrobielle Erbe der Mutter
– Munblit: Muttermilch ist voll von Komponenten mit synergistischer oder antagonistischer Wirkung bei Allergien
– Nicholas: Kolostrum beeinflusst die Organreifung
– Klotz: NICUs benötigen evidenzbasierte Leitlinien für den Umgang mit Muttermilch
– Berrington: Mini-Darmmodell gibt Einblick in die Darmentwicklung von Frühgeborenen

Selbstbewusst stillen
Bekommt mein Kind ausreichend Muttermilch? Nimmt es genug zu? Diese Fragen verunsichern Mütter, die ihre Kinder stillen und führen dazu, dass sie das ausschließliche Stillen beenden. Dr. Jacqueline Kent, Mitglied der Hartmann Human Lactation Research Group an der University of Western Australia, zeigt anhand einer Studie mit 212 termingeborenen Babys, wie weit der Begriff „normal“ beim Stillen gefasst werden muss: Die Bandbreite der Stillhäufigkeit reicht von sechs bis 17 Stillmahlzeiten am Tag, die Trinkmenge variiert zwischen 528 und 1.116 Milliliter pro Tag und die Stilldauer liegt zwischen sechs und 24 Minuten. Die beruhigende Botschaft der Forscherin für die Mütter: „Alles ist normal, so lange das Baby stetig wächst.“ Sind Mütter weiterhin verunsichert, geben harte Fakten Sicherheit. Dazu empfiehlt Kent, das Baby für 24 bis 26 Stunden vor und nach jeder Stillmahlzeit voll bekleidet zu wiegen.

Energie für das Gehirnwachstum
Assoc. Prof. Donna Geddes, Direktorin der Human Lactation Research Group an der University of Western Australia, unterstreicht mit ihren Forschungsergebnissen die Bedeutung des Stillens für eine gesunde Entwicklung: Das in der Muttermilch enthaltene Appetit-kontrollierende Hormon Leptin beeinflusst den Appetit des Kindes ebenso wie seine Körperzusammensetzung aus Fett- und Muskelmasse. Dabei passt sich der Leptingehalt in der Muttermilch dem Bedarf des Kindes an und legt so möglicherweise den Grundstein für das langfristig niedrigere Risiko gestillter Kinder, im späteren Leben übergewichtig zu werden. Ihre Forschungsergebnisse zeigen auch, dass Babys, die gestillt werden, in den ersten sechs Monaten schneller wachsen und dicker sind als Babys, die Formula erhalten. Im zweiten Lebenshalbjahr verlangsamt sich das Wachstum und das Körpergewicht nimmt ab. „Viele glauben, dass Babyspeck schlecht ist. Dabei brauchen Babys Fett, damit sich ihr Gehirn gut entwickeln kann“, so Geddes. Immerhin wachse das Gehirn von Babys innerhalb von drei Monaten von 30 Prozent auf 60 Prozent der Erwachsenengröße.

Die Entscheidung zum Stillen fördern
Für einen guten Start in die Stillzeit fordert Prof. Diane Spatz, Professorin für perinatale Pflege und Helen M. Shearer-Professorin für Ernährung an der University of Pennsylvania School of Nursing in Philadelphia, USA, dass Mütter und Klinikpersonal sich bewusst werden, wie wichtig die ersten Stunden nach der Geburt für eine optimale Milchbildung und den Stillerfolg sind. Daher plädiert sie dafür, nicht nur die Mütter, sondern die ganzen Familien in Geburtsvorbereitungskursen aufzuklären und sie in den Stunden nach der Geburt in der Entscheidung für das Stillen zu unterstützen. Wichtig seien dabei ausführliche Informationen beispielsweise zum Beginn der Milchbildung ab der 16. Schwangerschaftswoche und zur großen Variationsmöglichkeit des „Normalen“ beim Stillen, um der Mutter Vertrauen in ihre Fähigkeit zu geben, ihr Kind gut zu ernähren.

Der ökonomische Wert von Muttermilch
Für das Stillen entscheiden sich Frauen, wenn sie davon mehr Vorteile als Nachteile haben, erläutert Dr. Subhash Pokhrel, Leiter der Abteilung für klinische Wissenschaften der Brunel University, London, UK. Gesamtwirtschaftlich betrachtet führe eine kurze Stillzeit jedoch zu hohen Kosten im Gesundheitssystem, da Stillen verschiedenen nicht übertragbaren Krankheiten vorbeuge. Eine Studie aus dem Jahr 2012 ergab, dass im Vereinigten Königreich jährlich 40 Millionen Pfund eingespart werden könnten, wenn die Stillrate moderat angehoben, beispielsweise von sechs Wochen auf vier Monate verlängert werden könnte.

Jede Stillmahlzeit ist einzigartig
„Das Mikrobiom der Mutter formt die Milch, die sie an ihr Kind weitergibt und jede Stillmahlzeit enthält ihr mikrobielles Erbe“, betont Dr. María Carmen Collado vom Institut für Agrochemie und Lebensmitteltechnologie und dem Spanischen Nationalen Forschungsrat (IATA-CSIC) in Valencia, Spanien. Sie unterstreicht das neueste Verständnis, dass die frühe mikrobielle Besiedlung des Säuglingsdarms sowohl für die kurz- als auch für die langfristige Gesundheit entscheidend ist. Wichtig ist, dass das Mikrobiom der Muttermilch diese frühe Kolonisation antreibt. Mit ihren neuesten Forschungsergebnissen bestätigt Collado das Vorhandensein von Hefe und Pilzen in der Muttermilch gesunder Mütter. Diese frühe „Aussaat“ in den Darm des Säuglings mit den richtigen Bakterien und Pilzarten aus der Muttermilch trüge nicht nur dazu bei, Infektionen und bestimmten Krankheiten beim Säugling vorzubeugen, sondern fördere die Gesundheit bis ins Erwachsenenalter.

Synergistische Effekte von Mutter und Baby auf die Muttermilch
Dr. Daniel Munblit, Associate Professor an der Abteilung für Pädiatrie und Infektionskrankheiten der Universität Sechenov, Moskau, fordert, bei der Erforschung der Inhaltsstoffe in der Muttermilch die symbiotischen Effekte der Immunkomponenten in den Mittelpunkt zu stellen. Er stuft das Stillen als eine natürliche Form der Impfung ein und unterstreicht die Bedeutung des Kolostrums für die Prävention von Allergien. Dabei unterscheiden sich die Inhaltsstoffe der Muttermilch je nach Herkunft der Frau und sind somit maßgeschneidert für ihr Kind. „Muttermilch ist voll von verschiedenen Komponenten, die synergistische und/oder antagonistische Wirkungen haben. Wir sind erst dabei, die komplizierten Wechselwirkungen immer besser verstehen zu lernen, die eine Rolle dabei spielen, ein Kind vor Allergien zu schützen“, resümiert Munblit.

Kolostrum für eine optimale Organentwicklung
Welche Botenstoffe in der Muttermilch sorgen dafür, dass sich bei australischen Beuteltieren die Jungen innerhalb von acht bis neun Monaten vom unreifen Frühgeborenen zum gesunden Jungtier entwickeln? Dieser Frage geht Prof. Kevin Nicholas, Adjunct Professor am Monash Institute of Pharmaceutical Sciences der Monash University Parkville, Australien, nach und macht wegweisende Entdeckungen: Botenstoffe, die für die Reifung der Organe wichtig sind, finden sich beim Menschen nicht nur in der Plazenta und im Fruchtwasser, sondern auch im Kolostrum. Das eröffnet eine neue Sichtweise auf die Bedeutung des Kolostrums für die Entwicklung und die Gesundheit nicht nur von termingeborenen Babys, sondern vor allem von Frühgeborenen.

Der Umgang mit Muttermilch in der NICU
Mit seiner Forderung nach evidenzbasierten Leitlinien für die Verwendung von Muttermilch und Spenderinnenmilch auf der neonatologischen Intensivstation setzt sich Dr. Daniel Klotz, Neonatologe und Spezialist für pädiatrische Intensivmedizin sowie Leiter einer Neugeborenenstation am Kinder-Universitätsklinikum Freiburg, für die bestmögliche Qualität der Milch aus Muttermilchbanken ein. Muttermilch ist eine lebende Flüssigkeit, die Tausende von verschiedenen Komponenten enthält, beispielsweise über 1.000 verschiedene Proteine, Hunderte von verschiedenen Fetten sowie lebende Zellen. Sie alle spielen eine spezifische Rolle dabei, das Kind nicht nur gesund zu halten, sondern auch zukünftige Infektionen und Krankheiten zu verhindern. Eine falsche Lagerung oder Erwärmung der Muttermilch könne viele dieser wertvollen Inhaltsstoffe reduzieren oder zerstören und die Komplexität der Milch verändern. „Ohne standardisierte Richtlinien laufen Klinikärzte weltweit Gefahr, das volle lebensrettende Potenzial der Verwendung von Muttermilch bei gefährdeten Säuglingen zu verpassen“, mahnt Klotz.

Einflussfaktoren auf die Darmgesundheit von Frühgeborenen
Dr. Janet Berrington, Neonatologin in Newcastle und Honorary Clinical Senior Lecturer für Neonatologie an der Newcastle University, UK, erläutert, dass die Art und Weise, wie Krankenhäuser Frühgeborene ernähren, Auswirkungen auf die Gesundheitsergebnisse hat. Von dem Zeitpunkt, an dem das Kind erstmals Muttermilch erhält, hängt nicht nur das Auftreten von Infektionen und Erkrankungen wie der lebensbedrohlichen Darmerkrankung NEC (Nekrotisierende Enterokolitis) ab. Muttermilch beeinflusst auch die Fähigkeit des Säuglings, seine Nahrung zu vertragen und effektiv zu wachsen. Zudem beeinflusst sie die Entwicklung späterer Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Asthma, Allergien und die metabolische Gesundheit. Für einen vertieften Einblick in die Auswirkungen, die Muttermilch auf den Darm hat, erforscht Berrington mit Hilfe eines aus Stammzellen entwickelten „Mini-Darms“ die Darmentwicklung bei Frühgeborenen.

Weitere Informationen unter:
www.medela-symposium.com
– Referenten und Abstracts
– Videoaufzeichnung der Pressekonferenz
– Bildmaterial

Über Medela
Seit mehr als 50 Jahren verfolgt Medela ein Ziel: die Gesundheit von Mutter und Kind durch die lebensspendenden Vorteile der Muttermilch zu fördern. Das 1961 gegründete Unternehmen mit Sitz in der Schweiz betreibt seit Jahrzehnten intensiv Grundlagenforschung im Bereich Muttermilch und Stillen in Zusammenarbeit mit führenden Wissenschaftlern, Fachspezialisten und Universitäten. Medela nutzt die Forschungsergebnisse für Bildungsarbeit und die Entwicklung seiner Stillprodukte. Erfahren Sie hier mehr über aktuelle Erkenntnisse aus der Still- und Laktationsforschung.

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Heidi Klein
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