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Altalbanisch hat die Entwicklung vieler Balkansprachen mageblich beeinflusst. In einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF ist das die zentrale These, die intensive Untersuchungen nun belegen sollen. Zu diesem Zweck wird die bisher kaum bekannte Sprache nun erstmals anhand aller zugnglichen Texte erforscht und anschlieend mit anderen Balkansprachen verglichen. Ein Ergebnis der Forschungsarbeiten wird ein Lexikon sein, welches einen berblick ber alle altalbanischen Verben gibt.

Verschiedene Sprachen aus einem geografischen Gebiet besitzen oftmals hnlichkeiten zueinander, obwohl ein gemeinsamer Ursprung nicht vorliegt. Dieses als „Sprachbund“ bekannte Phnomen ist auch auf dem Balkan anzutreffen, wo die Sprachen Albanisch, Neugriechisch, Bulgarisch, Mazedonisch und Rumnisch gemeinsame Wrter und Strukturen aufweisen. Doch haben sich diese Sprachen gegenseitig beeinflusst bzw. hat eine der Sprachen die anderen wesentlich geprgt?

Dass es die (alt-)albanische Sprache war, die einen mageblichen Einfluss auf die anderen Balkansprachen ausgebt hat, will nun ein Projekt des Instituts fr Sprachwissenschaft der Universitt Wien nachweisen. Dabei leisten die beiden Linguisten Dr. Stefan Schumacher und sein Kollege Dr. Joachim Matzinger Pionierarbeit auf gleich zwei Gebieten: In einem ersten Schritt unterziehen sie die altalbanische Sprache selbst einer tiefgehenden Untersuchung, da diese Sprache im Gegensatz zum modernen Albanisch bisher kaum erforscht ist. Dabei wird das altalbanische Verbalsystem erstmals anhand smtlicher schriftlicher Quellen analysiert. In einem zweiten Schritt werden die Ergebnisse mit den Verbalsystemen der anderen Balkansprachen verglichen um zu sehen, wo hnlichkeiten bestehen.

EINFLSSE AUS ALBANIEN
Bereits jetzt fhren die Untersuchungen zu ersten Erkenntnissen, wie Projektleiter Dr. Schumacher ausfhrt: „Unsere bisherige Arbeit zeigt, dass das Altalbanische zahlreiche modale Abstufungen kannte, die es dem Sprecher oder der Sprecherin ermglichen, einen Standpunkt zu dem Gesagten auszudrcken. Diese Abstufungen sind umfangreicher und feingliedriger, als bis dato bekannt und in der bisherigen Literatur beschrieben worden ist. Zudem haben wir zahlreiche heute ausgestorbene oder durch Umstrukturierung verloren gegangene Verbalformen gefunden, die bisher kaum wahrgenommen oder bestenfalls falsch eingeordnet worden sind.“ Diese Verbalformen sind wichtig fr die Erklrung der Sprachgeschichte des Albanischen, also des internen Sprachgebrauchs.

Ebenso wichtig sind diese aber auch, um die Wechselwirkungen des Albanischen mit seinen Nachbarsprachen zu erklren. Dabei gehen die beiden Forscher verschiedenen Spuren nach, die darauf hinweisen, dass Albanien eine zentrale Rolle im Balkansprachbund spielte. Beispielsweise ist es vermutlich vom Albanischen ausgegangen, dass der bestimmte Artikel im Rumnischen, Bulgarischen und Mazedonischen nachgestellt wird. Denn im Albanischen ist der nachgestellte Artikel bereits seit der Antike vorhanden.

ALTE LITERATUR
Die Grundlage fr die Untersuchungen bildet die gesamte zugngliche altalbanische Literatur aus der Zeit zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Dies bedeutet eine Herausforderung fr die Forscher, handelt es sich doch um ca. 1500 Seiten, die intensiv analysiert werden mssen. Projektmitarbeiter Dr. Matzinger dazu: „Bisher wurden diese Texte kaum erforscht, da es sich fast ausschlielich um katholisch-religise Literatur handelt, die zunchst in Vergessenheit geriet und insbesondere im Kommunismus tabuisiert wurde. Seit dem Ende des Kommunismus wird diese Literatur zwar wieder wahrgenommen, jedoch mangelte es bisher an Geld sowie an Backgroundwissen ber den Katholizismus.“

Nun wird den alten Texten im Rahmen des FWF-Projekts wieder neues Leben eingehaucht und damit auch an eine sterreichische Forschungstradition angeknpft – denn der sterreichische Professor Norbert Jokl, der unter den Nazis ums Leben kam, gilt als „Vater der Albanologie“. Er wre sicherlich stolz auf die erste vollstndige Darstellung des altalbanischen Verbalsystems in Form eines Lexikons, die am Ende der Forschungsarbeiten stehen wird. Damit besteht eine Basis fr alle knftigen Untersuchungen am Verbalsystem des Albanischen, die auch der Indogermanistik und der Sprachwissenschaft als Ganzes zugutekommen wird.

Bild und Text ab Montag, 19. Mai 2008, 09.00 Uhr MEZ verfgbar unter:
http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv200805-de.html

PRESSEMITTEILUNG-DETAILS:

    Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Stefan Schumacher
Universitt Wien
Institut fr Sprachwissenschaft / Indogermanistik
Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
1010 Wien
Telefon: +43 / 1 / 4277 – 41 753
Mobil: +43 / 676 / 79 73 521
E-mail: stefan.schumacher@univie.ac.at

    Der Wissenschaftsfonds FWF:

Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
Telefon: +43 / 1 / 505 67 40 – 8111
E-mail: stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Redaktion & Aussendung:
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Von Nova