Am Freitag, dem 4. September 2009 liest Tino Hemmann, vier Tage nach der Gedenkstunde anlsslich des Beginns der NS-„Euthanasie“-Morde in Pirna-Sonnenstein, die unter der Schirmherrschaft des Ministerprsidenten des Freistaates Sachen, Stanislaw Tillich stattfindet, aus seinem ergreifenden Roman „Hugo, der unwerte Schatz“ ab 18:00 Uhr in der Martin-Luther-Strae 21 in Dresden.

Auf den 1. September 1939 wurde ein formloses Schreiben zurckdatiert, in dem Adolf Hitler seinen Begleitarzt Karl Brandt und den Leiter der „Kanzlei des Fhrers“ Philipp Bouhler anweist, die Ermordung der „unheilbar Kranken“ zu organisieren. Die Weisung, Anfang Oktober „39 entstanden, markiert den Beginn einer euphemistisch als „Euthanasie“ bezeichneten, bis dato weltweit einmaligen Vernichtungsaktion. Von nun an durften deutsche rzte und ihre Gefolgsleute all das tten, was nicht dem Rassereinhaltungsgedanken der Nationalsozialisten entsprach. Speziell ber den Bereich der „Kinder-Euthanasie“ wurde in Deutschland meist der Mantel des Schweigens gelegt. Weie Kittel sollten nicht beschmutzt, fachliches Renommee bekannter Institutionen aus medizinischer Praxis, Forschung und Lehre nicht befleckt werden. Die jahrelangen Recherchen lieferten dem Autor Tino Hemmann (42) den Stoff fr den Roman „Hugo. Der unwerte Schatz“. Die Opferzahlen, die mit jedem Jahr ernsthafter Forschung ansteigen, sind bedrckend. Aber es bleiben Zahlen. Durch die Figur „Hugo Hassel“ bekommen sie ein Gesicht. „Ich will mit diesem Buch auch Jugendliche erreichen, die durch den Schulbetrieb schon viel mit Sachbchern zu tun haben und daher Geschichte lieber in Form eines Romas erleben“, so der Autor. Bewusst hat er auch viele Alltagsepisoden und historisch reale Ereignisse der 30er und 40er Jahre eingebaut. So wird deutlich, dass es auch das „ganz normale Leben“ gab, whrend die Naziverbrechen stattfanden.
Die vorliegende dritte Auflage des Buchs erhielt einen Festeinband, um dem Werk den Weg in die Bibliotheken zu ebnen. Und es erhielt einen neuen Epilog. Dort flossen die neuesten Ergebnisse der Forschung zur „Kinder-Euthanasie“ ein. Mit konkreten Namen wird belegt, wo und von wem in Deutschland „im Namen der Wissenschaft“ gemordet wurde. Es werden Rechenexempel dargestellt, nach denen durch die „Desinfektion von 70.237 Personen bei einem durchschnittlichen Tagessatz von 3,50 Reichsmark […] eine tgliche Ersparnis von 245.829,50 Reichsmark erzielt werden kann“. Hemmann schrieb eine leidenschaftliche Hommage an den Wert des Lebens, verbunden mit der eindringlichen, warnenden Erinnerung, wie kurz einst der Weg von der ersten Legalisierung des Ttens bis zur hocheffizienten Vernichtungsmaschinerie war.
Bibliografische Daten:
Hugo. Der unwerte Schatz
3. Auflage (2009)
Festeinband 15×21, 407 Seiten
ISBN 978-3-86901-500-2
Engelsdorfer Verlag
14,00 Euro (D)
www.tino-hemmann.de
Meinungen:
„Tino Hemmann gelingt mit seinem Roman ein beeindruckendes Gemlde des Naziterrors, das neben Imre Kertsz“ Roman eines Schicksallosen zur Pflichtlektre an den Schulen gehren sollte.“ (Hans-Henning Paetzke, Budapest)
„Hugo Hassel gert immer mehr in den Strudel nazistischer und rztlicher Machenschaften, in den Wahnsinn einer Zeit, die bestimmt wird von Krieg und Korruption, und von der hchsten Form der Verachtung der Menschenwrde: der Vernichtung angeblich unwerten Lebens. Der Roman kennt keine Kompromisse, denn gegenber den betroffenen Kindern gab es sie nicht.“ (Enzo S., Flensburg-Szene)
„Diese Erzhlung knnte als Buch verstanden werden, das fr Kinder dieser Welt geschrieben – aber an Erwachsene gerichtet wird: schliet nicht die Augen, wenn Schwache hilfebedrftige Menschen von Ideologen und Verbrechern bedrngt werden. Dem Autor ist eine Erzhlung gelungen, die kein Leser jemals vergessen wird.“ (Marler Zeitung)
„Als Mensch mit Gefhlen muss man einfach den kleinen Hugo adoptieren und sinnbildlich in die Arme nehmen, um ihn vor seinem Schicksal zu bewahren. Natrlich hat es keinen Zweck, denn das Kind wird weiter geqult und schlielich ausgelscht, einer verblendeten Wissenschaft, Geltungssucht und einer fanatischen Ideologie geopfert. Ein wichtiges Buch, dass man gelesen haben sollte!“ (Esther Schoenemann, Literaturzeitschrift.de)
ber den Autor:
Tino Hemmann wird im Februar 1967 in Leipzig geboren. Mit zehn Jahren beginnt er damit, erste Texte auf Papier zu bringen. Spter borgt er sich eine Adler-Schreibmaschine aus. Er besucht den „Klub Schreibender Arbeiter“ in Leipzig und lernt real sozialistische Literaturvorstellungen kennen. Nach Lehre, Abi und Hochschule, Hochzeit, Nationale Volksarmee, kurze Lehrerttigkeit vollfhrt er den Sprung in die Marktwirtschaft. Tino Hemmann lebt familir in drflicher Idylle, sdstlich von Leipzig, mit drei Kindern, Hund und ein paar Katzen, ist aber selten zu Hause. Kinder spielen in den meisten Bchern Hemmanns eine Hauptrolle. Zu „Hugo. Der unwerte Schatz“ gibt es auch eine polnische bersetzung und eine Drehbuchversion.
Kontakt zum Autor unter 0341 27 11 87 20
Zusammenfassung:
Hugo Hassel ist der nette, kleine Junge von nebenan. Hemmann beschreibt das Leipziger Kind und dessen Psyche bis ins Detail. Allmhlich erst begreift der Leser, in welcher Gefahr der Junge ist. Hugo, von seinem Vater brutal misshandelt, lsst Fritz entstehen, ein Ebenbild des aufgeweckten Jungen. Fritz ist lange Zeit der einzige Vertraute. Es fllt auf, dass Hugo uerst intelligent ist, ebenso bemerkt ein Arzt bei Hugos Einschulungsuntersuchung die zweite Persnlichkeit. Der Junge wird fortan von Professoren der Kinderpsychiatrie beobachtet.
Zeitgleich rstet sich die Regierung im Deutschen Reich fr den grten Krieg seit Menschengedenken und parallel dazu fr die Ausrottung unwerten Lebens. Hitlers Kindereuthanasie kommt in Gang. Unzhlige Kinder sterben in Kinderfachabteilungen, aber auch in den Gaskammern, die von der Berliner T4-Zentrale im gesamten Reich eingerichtet werden.
Ein Meldebogen entscheidet ber die „Behandlung“ der Kinder. Der Leipziger Universittsprofessor von Rasch sieht seine Chance, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Problematik multipler Persnlichkeitsspaltung, berhmt zu werden. Er flscht Hugos Meldebogen und macht den Weg frei fr Hugos „Desinfektion“ in der Vernichtungsanstalt Pirna-Sonnenstein.
weitere Presse-Fotos unter: http://picasaweb.google.de/saxonrider/HUGODerUnwerteSchatzFotomaterialFurMedien?authkey=Gv1sRgCOKElvmehYfrkQE#
Frank Liebmann
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