Die Zukunft aufs Papier gebracht

Stiftung Handschrift weckt die Kreativität in den Klassenräumen

Wiesbaden (hds).- „Auch wenn ich weiß, dass es immer Probleme geben wird, werde ich die Hoffnung auf eine schöne Zukunft nicht aufgeben“, schreibt Antonia aus Königstein in ihrem Brief. „Kriege gibt es keine mehr, nur noch Gespräche, Musik und gemeinsame Lösungen“, so blickt Kimberly Sophie aus Bad Homburg positiv nach vorne. Zora aus Darmstadt beschreibt eine grüne Zukunft, in der Kinder gemeinsam draußen spielen, Tiere und Pflanzen geschützt werden und jeder lieben kann, wen er will. Diese Gedanken stammen aus rund 9.500 handschriftlich verfassten Briefen zum Thema „Zukunft“, die die Stiftung Handschrift anlässlich des 8. Hessischen Schülerschreibwettbewerbs erreichten. 6. und 7. Klassen aller Schulformen konnten daran teilnehmen.

Die Zukunft auf zwei Seiten

Die Schülerinnen und Schüler (be)schrieben auf maximal zwei Seiten, wie sie sich die Welt in 10, 20 oder 50 Jahren vorstellen. Wie sehen dann Städte, Dörfer, Schulen oder Arbeitsplätze aus? Welche Erfindungen würden das künftige Leben verbessern? Und wie können sie selbst diese Zukunft aktiv mitgestalten? Diese Fragen dienten der Orientierung. Die Kinder und Jugendlichen durften ihren individuellen Zukunftsvisionen viel Freiraum geben. Eine Fachjury wählte anhand eines Kriterien-Katalogs schließlich 100 Briefe aus. Die jungen Autorinnen und Autoren wurden am 24. April im Rahmen eines Festakts im Museum Wiesbaden für ihre Beiträge geehrt. Die stolzen Lehrkräfte, Eltern, Geschwister, Freundinnen und Freunde im Publikum honorierten die Leistungen mit viel Applaus.

Die Stimme der jungen Generation

Raoul Kroehl, Geschäftsführer der Stiftung Handschrift, begrüßte die Gäste im Museum. Er lobte die inhaltliche Vielfalt der Texte, die so individuell seien wie die eigene Handschrift: „Die Kinder und Jugendlichen formulieren in ihren Briefen Lösungsansätze für die Umsetzung ihrer Zukunftsträume. Sie kritisieren gleichzeitig aber auch Schwachstellen unserer Gesellschaft und machen Verbesserungsvorschläge – beispielsweise für besseren Klimaschutz oder mehr Mitbestimmung. Damit beweisen sie, dass kindliche Perspektiven keineswegs naiv, sondern oftmals sogar überraschend weitsichtig sind. Dieses Mitdenken und Mitwirken bereichert unsere Entscheidungen von heute!“

Handschrift fördert Bildung

Die Moderation der Preisverleihung übernahm erneut Rose-Lore Scholz, Stadträtin a. D. und ehemalige Dezernentin für Schule, Kultur und Integration der Stadt Wiesbaden. Unterstützt wurde sie auch 2026 von Kinderreportern – Gewinner der vorherigen Wettbewerbe. Sie stellten den Rednern auf der Bühne ihre Fragen, darunter auch Armin Schwarz, Hessischer Minister für Kultus, Bildung und Chancen. Er verdeutlichte die Relevanz der Handschrift im digitalen Zeitalter: „Ganz praktisch beeinflusst das Schreiben mit der Hand die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler. Es trainiert entscheidende Fähigkeiten, die später wichtig sind, wie Motorik, Sprachverständnis und Konzentration. Aus diesen Gründen betrachten wir im Hessischen Kultusministerium den Erwerb der Handschrift als einen zentralen Bestandteil des Deutschunterrichts.“ Christian Boehringer, Vorsitzender des Stiftungsrates, berichtete über die Intention der Stiftung: „Ziel unseres Engagements über den hessenweiten Schülerschreibwettbewerb hinaus ist es, durch die Interaktion mit den Schulen auch bei Lehrkräften die Bedeutung der Handschrift neu zu thematisieren. Wir regen an, bewusst mehr mit der Hand schreiben zu lassen und weiterführende innovative Modelle der Förderung der Handschrift im Schulalltag zu entwickeln.“

Festakt mit Einblick ins Klassenzimmer

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung erzählten Schülerinnen und Schüler in Video-Interviews von den ersten Ideen für ihre persönlichen Briefe. Dabei offenbarte sich, dass sie trotz der aktuell herausfordernden Zeiten mit viel Neugier und Optimismus an das Thema herangingen. Drei der jungen Schreibtalente lasen schließlich ihre Briefe live vor – die Adressaten: Noah, Henry und die Gegenwart. Im Talk mit Raoul Kroehl erzählten Lehrkräfte hessischer Schulen von ihren Erfahrungen aus dem Unterricht. Leider kaum überraschend: Im Zeitalter von KI, Smartphones und Tablets wüssten die wenigsten Kinder heute noch, wie man einen Brief schreibt. Umso bedeutender sei dieses Projekt. Im Unterricht entwickelten ihre Schützlinge schnell viel Freude am Briefeschreiben. Die Ergebnisse sprechen für sich. Die prämierten Texte sind nun in einem hochwertigen Buch erschienen. Darin ebenfalls enthalten: Gastbeiträge zum Thema – u. a. von Dr. Jessica Bönsch, Geschäftsfuhrende Vorständin Stiftung Jugend forscht e. V., sowie Tristan Horx, Zukunftsforscher und Autor.

Auch musikalisch hatte der Festakt einiges zu bieten: Neo, Gewinner von „The Voice Kids“ 2025, verlieh mit „One moment in time“ von Whitney Houston dem Event eine besonders feierliche Note. Das Streicher-Ensemble „Leibniz-Strings“ der Leibnizschule Wiesbaden interpretierte – passend zur Veranstaltungslocation – „The fate of Ophelia“ von Taylor Swift in einer Instrumental-Version.

Die Stiftung Handschrift verfolgt das Ziel, gemeinsam mit den Schulen für die Schülerinnen und Schüler außerhalb des Unterrichts Anlässe zu schaffen, die das Schreiben mit der Hand und die damit verbundenen Vorteile in den Fokus rücken. Sie unterstützt die Heranwachsenden dabei, eine flüssige und lesbare Handschrift zu entwickeln, die ihnen helfen kann, mehr Spaß am Schreiben mit der Hand zu haben. Gleichzeitig soll ihnen bewusst werden, wie wichtig das Beherrschen der eigenen Handschrift auch für einen guten Schulabschluss und eine spätere Bewerbung ist. Aktuelle Umfragen belegen, dass Kinder und Jugendliche selbst sich eine bessere Handschrift wünschen. Sie brauchen dabei jedoch Unterstützung. Zu diesem Zweck hat die Stiftung Handschrift neben dem jährlichen Schreibwettbewerb das Projekt der Schreibpatinnen und -paten initiiert: Bereits in der Grundschule helfen ältere Schülerinnen und Schüler, begleitet von Tutorinnen und Tutoren, Jüngeren, das Schreiben mit der Hand zu üben und zu verbessern. Die Stiftung Handschrift arbeitet eng mit dem hessischen Kultusministerium zusammen.

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Bildquelle: Stiftung Handschrift / Paul Müller