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Vorgnge, die zur Stabilitt von DNA im UV-Licht beitragen, konnten nun erstmals mittels komplexer Computersimulationen im Detail untersucht werden. Die vor allem am DNA-Bestandteil 9H-Adenin gewonnenen Erkenntnisse wurden im „Journal of the American Chemical Society“ (JACS) publiziert und in Anerkennung der Qualitt der Arbeit in die neu eingerichtete Online-Sektion „JACS Select“ aufgenommen. Die Ergebnisse des vom Wissenschaftsfonds FWF untersttzten Projektes belegen einen ultraschnellen, zweistufigen Prozess als einen Grund fr die Fotostabilitt der DNA.

UV-Strahlen brunen nicht nur die Haut, sie knnen auch Atome ihrer Elektronen „berauben“ und so organische Verbindungen zerstren. Um diesen schdlichen Wirkungen zu entgehen, setzt der DNA-Bestandteil Adenin auf einen ultraschnellen Prozess, der in weniger als einer billionstel Sekunde abluft. Durch UV-Licht kommt es zu einer Anregung von Elektronen des Adenins. Somit erlangen diese zunchst ein hheres Energieniveau. Von diesem kehren sie, im Fall des Adenins blitzschnell, wieder auf das ursprngliche Grundniveau zurck. So wird potenziell schdliche Anregungsenergie in harmlose Vibrationsenergie des Moleklgerstes umgewandelt. Die DNA wird dadurch vor Schden geschtzt. Whrend der Vorgang selbst bereits bekannt war, konnten die Details aufgrund der hohen Komplexitt des Vorganges noch nicht simuliert und damit im Detail analysiert werden – bis jetzt.

Simulation eines bergangs
Durch den innovativen Einsatz einer Berechnungsmethode zur Simulation dynamischer Quantenzustnde gelang es dem Wiener Team um Prof. Hans Lischka und Doz. Mario Barbatti vom Institut fr Theoretische Chemie der Universitt Wien, genaue Aussagen ber Mechanismen zu treffen, die der Fotostabilitt von Adenin zugrunde liegen. „Durch die Gre des Molekls, die notwendigen, langen Simulationszeiten und die Komplexitt der Elektronen-Spektren war dieses Projekt eine formidable Herausforderung. Und es hat sich gelohnt, sie anzunehmen“, erklrt Lischka.

Das Team um Lischka berechnete, wie der bergang zwischen den einzelnen Energieniveaus der Elektronen in Kopplung an die Bewegung der Atomkerne im Detail abluft. Zunchst zeigen die Daten, dass dieser bergang kein kontinuierlicher, sondern ein aus zwei Schritten bestehender Prozess ist. Ersterer ist „ultrakurz“ und nimmt lediglich 22 Femto-Sekunden (22 billiardstel Sekunden) in Anspruch. Dabei fallen die Elektronen von einem hheren Energieniveau (S3) in ein niedrigeres (S1). Der zweite Schritt dauert etwa 20-mal so lange wie der erste, nmlich eine halbe billionstel Sekunde. Danach sind die Elektronen des Adenins wieder in den energiearmen Ausgangszustand (S0) zurckgefallen, und das in unvorstellbarer Geschwindigkeit.

Bewegung der Elektronen und Atomkerne
Die renommierte American Chemical Society hebt in ihrem Kommentar unter anderem die Anzahl der von Lischka und seinem Team berechneten Kernbewegungsbahnen hervor. In dieser Arbeit wurden nicht nur ein oder zwei, sondern gleich 60 dieser, auch als Traktorien bezeichneten, Bahnen simuliert. Diese Anzahl ermglichte die Erstellung einer Statistik ber jene Vorgnge, die fr die Fotostabilitt von Adenin verantwortlich sind. Lischka und Barbatti dazu: „Durch Verwendung vieler Traktorien konnten wir statistische Aussagen treffen. So sahen wir beispielsweise, dass bei 98 Prozent, also bei praktisch allen berechneten Traktorien, 60 Femto-Sekunden nach einer UV-Bestrahlung das S1-Niveau erreicht wurde.“ Die von Lischka und Barbatti in diesem speziellen Zusammenhang erstmals angewandte Computersimulationsmethode birgt groes Potenzial fr die weitere Erforschung ultraschneller fotochemischer Prozesse in polyatomaren Moleklen. Dieses Potenzial der uerst zeitintensiven Methode konnte durch die Frderung von Lischkas Arbeit durch den Wissenschaftsfonds FWF voll ausgeschpft werden. Die erlangten Einsichten und die Aufnahme der Publikation von Lischka und Barbatti in die Website-Rubrik „JACS Select“ fr innovative Entwicklungen zeigen deutlich, dass Lischka seine „formidable Herausforderung“ bestens bewltigt hat.

Bild und Text ab Mittwoch, 23. Februar, 09.00 Uhr MEZ verfgbar unter:
http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv200902-de.html

Originalpublikation: „Nonadiabatic Deactivationof 9H-Adenine: A Comprehensive Picture Based on Mixed Quantum-Classical Dynamics“ M. Barbatti & H. Lischka. J. Am. Chem. So., 2008, 130 (21), 6831-6839, DOI:10.1021/ja800589p
http://pubs.acs.org/stoken/beta/select/abs/10.1021/ja800589p

PRESSEMITTEILUNG-DETAILS:
Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Hans Lischka
Universitt Wien
Institut fr Theoretische Chemie
Whringer Strae 17
1090 Wien
T +43 / 1 / 4277 527 57
E hans.lischka@univie.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Von Nova